Ist agile Entwicklung billiger?

Diese Frage wird immer wieder gestellt, wie Jens Coldewey in einem aktuellen Artikel schreibt.

Jens schreibt jedoch auch, dass Kundenzufriedenheit das Primärziel bei jedem Projekt sein sollte. Dem kann ich nicht zustimmen, da dies eine verkürzte Sicht darstellt, v.a. wenn es sich um Unternehmen handelt, die mit Projekten Geld verdienen müssen.

Primärziel einer Unternehmung ist es weiter zu existieren und dabei möglichst Gewinn zu erwirtschaften.

Die Kundenzufriedenheit ist in den meisten Fällen ein wichtiger Faktor, um diese Ziele in einem umkämpften Markt zu erreichen – nicht jedoch das Primärziel!

Für die Erreichung der Primärziele Existenzsicherung/Rentabilität sind die Kosten der entscheidende Faktor Eine Beschränkung der Sicht auf die typischerweise buchhalterisch erfassten Werte greift jedoch zu kurz und umfasst nicht die Assets/Risiken, die sich beispielsweise aus Qualität und Motivation ergeben.

Werden diese ebenfalls als Kosten/Investitionen verbucht, dann halte ich es für nicht problematisch „nur die Kosten“ zu vergleichen, da sich mit vertretbarem Aufwand eine Aussage zur Veränderung der Kosten mit ausreichender Genauigkeit tätigen lässt, um basierend auf diesen Daten Entscheidungen treffen zu können.

Auch Motivation und Qualität sind selbstverständlich als Kosten/Investitionen quantifizierbar.

MOTIVATION: Tom de Marco hat beispielsweise ein einfaches Modell beschrieben, wie man die Kosten für die Neubesetzung von Stellen berechnen kann, falls ein Wissensarbeiter das Unternehmen verlässt.

QUALITÄT: Auch Qualität lässt sich in akzeptabler Genauigkeit auf Kosten abbilden. Natürlich müssen zunächst einige Messungen durchgeführt werden. Letztendlich bedeutet Überarbeitung und Fehlerbeseitigung jedoch Mehrkosten. Die Kosten von Qualitätsproblemen werden bereits seit langer Zeit in der Literatur behandelt.

Leider wird diese umfassende Sicht auf Kosten/Investitionen bisher sehr selten praktiziert, ich konnte dies in der Praxis bisher noch nicht erleben. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass die Controlling-Abteilung nicht in der Lage ist die entschiedenen Daten korrekt zu erheben bzw. für diese Problematik noch nicht ausreichend sensibilisiert wurde.

Aus diesem Grund wird heute immer noch von „weichen, nicht quantifizierbaren Faktoren“ gesprochen, obwohl IMHO diese sehr wohl in gewissen Umfang quantifizierbar sind.

Schade nur, dass dann Entscheidungen der Unternehmensführung auf den unzureichenden Zahlen der Controlling-Abteilungen getroffen werden, die „weichen Faktoren“ gehen unter bzw. es fließt lediglich etwas Bauchgefühl in die Betrachtung mit ein.

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Comments (1)

Jens ColdeweyOctober 8th, 2008 at 11:45

Hallo Felix,

darauf musste ich etwas ausführlicher antworten, deshalb habe ich es auf meinem Blog gemacht (Trackbacks scheinen leider nicht zu funktionieren: “<a href=”http://blog.coldewey.com/agile/2008/09/12/ist-agile-entwicklung-billiger/”Ist agile Entwicklung billiger II”.

Viele Grüße

Jens

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