Manifest für Führungskräfte – Eine Diskussion

Heiko hat ein Manifest für Führungskräfte veröffentlicht:

Die Meinung unserer Mitarbeiter ist uns wichtiger als unsere Eigene

Anderen zuzuhören ist uns wichtiger als uns selbst reden zu hören

Die Menschen sind uns wichtiger als Prozesse und Strukturen

Die Entwicklung unserer Mitarbeiter ist uns wichtiger als unsere Eigene

Zusammenarbeit ist uns wichtiger als organisatorische Grenzen

via Scrum@Work.

Für mich greift dieses Manifest zu kurz, auch wenn Heiko einige wichtige Punkte heraus gearbeitetet hat.

Als Führungskraft ist man immer wieder in Situationen, in denen schnell wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. Kurz, hier heißt es, sich selbst zu vertrauen und für die eigene Entscheidung die volle Verantwortung zu übernehmen. Es hilft auch nicht, Verantwortung an eine Gruppe zu deligieren oder gar ein neues Grüpplein für die Entscheidungsfindung zu bilden. Zudem muss eine Führungskraft auch führen können, d.h. der Gruppe der Mitarbeiter vermitteln können, was das Ziel des gemeinsamen Tuns ist und letztendich muss die Führungskraft den Mitarbeitern ermöglichen das Ziel zu erreichen. Den Weg freiräumen und den Mitarbeitern die Freiräume verschaffen, damit diese erfolgreich arbeiten können. Hierfür muss meistens “nach oben” kommuniziert werden und auch “nach oben” gekämpft werden. Freiräume bekommt man nicht, diese muss man sich erarbeiten.

Die Meinung unserer Mitarbeiter ist uns wichtiger als unsere Eigene

Die Meinung von Mitarbeiter muss Führungskräften wichtig sein, d.h. nicht, dass die Führungskraft und Mitarbeiter immer gleicher Meinung sein müssen. Es ist beispielsweise stets kritisch zu hinterfragen, weshalb Mitarbeiter eine bestimmte Meinung haben. Welchen Wissensstand, welche Ausbildung und welche Erfahrungen haben die Mitarbeiter. Warum bin ich als Führungskraft anderer Meinung? Es gibt viele Situationen, in denen Führungskräfte unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, d.h. die Meinungen von Führungskraft und Mitarbeitern sind dann unterschiedlich. Wenn die Meinung von Chef und Mitarbeitern jedoch grundsätzlich gegensätzlich sind, dann stimmt etwas nicht und das Verhältnis Mitarbeiter <-> Führungskraft wird nicht gut funktionieren.

Anderen zuzuhören ist uns wichtiger als uns selbst reden zu hören

Richtig. Als Vorgesetzter muss die Führungskraft jedoch auch in der Lage sein, in schwierigen Zeiten die Führung zu übernehmen. Das Management darf dann nicht stumm bleiben, sondern muss eine aktive Rolle einnehmen und Ziele sowie Rahmenbedingungen kommunizieren.  Grundsätzlich ist allerdings das aktive Zuhören eine sehr wichtige Fähigkeit von Führungskräften. Merke: Mitarbeiter können wichtige Berater ihrer Führungskräfte sein – falls der Vorgesetzte daran Interesse hat (er sollte). Wie bei allen Beratern, können diese jedoch nicht die Entscheidung für den Beratenden übernehmen.

Die Menschen sind uns wichtiger als Prozesse und Strukturen

Menschen sind immer das Wichtigste. Andererseits benötigt eine Organisation, d.h. eine Gruppe von Menschen, eben auch Prozesse und Strukturen. Wenn diese schlecht für die Menschen ist, dann ist es an der Führungskraft zu handeln. Das ist eine weitere  zentrale Aufgabe der Führungskraft.

Die Entwicklung unserer Mitarbeiter ist uns wichtiger als unsere Eigene

Vielleicht besser: Unsere eigene Entwicklung darf nicht auf Kosten unserer Mitarbeiter geschehen. Die Entwicklung der Organisation ist wichtiger als die Entwicklung einzelner Individuen. Weiterentwicklung muss für alle möglich sein. Kurz: Entwickle Deine Mitarbeiter weiter! Deine Mitarbeiter dürfen Dich auch überholen!

Zusammenarbeit ist uns wichtiger als organisatorische Grenzen

Richtig. Zusammenarbeit muss aber auch von allen Parteien gewollt sein, lokale Optimierung muss überwunden werden. Blockadehaltung muss sanktioniert werden. Die Organisation muss sich weiterentwickeln.

2 thoughts on “Manifest für Führungskräfte – Eine Diskussion

  1. Gute Punkte. Und ich hatte Heiko auch in dem Sinne gelesen.

    Mit einem tue ich mich etwas schwer: “Deine Mitarbeiter dürfen Dich auch überholen!”

    Klar “dürfen” sie das. Aber sollten sie es auch? Eher nicht. Was aber nicht dadurch zu erreichen ist, ihnen ihre eigene Entwicklung vorzuenthalten. Sondern dadurch, die Messlatte zur eigenen Entwicklung höher zu schrauben. Ansonsten ist es mit den Möglichkeiten zum führen für die werte Führungskraft schnell aus.

    Dass es mir dabei nicht darum geht, so anmaßend zu sein, in jedem spezifischen Fachwissen besser sein zu wollen als die Leute im eigenen Team, ist eh klar. Oder?

    • Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte: Erkenne Talente und fördere diese. Stehe der Förderung nicht im Weg. Im Effekt kann es sein, dass talentierte Mitarbeiter Dich auch überholen. Verhindere dieses nicht, denke immer an Verbesserungen im Sinne der Organisation.
      Hat nichts mit spezifischen Fachwissen zu tun.

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