Verträge für agile Softwareentwicklung

Als angestellter Projektleiter und Product Owner hatte ich es bisher in den meisten Projekten mit Festpreis-Verträgen zu tun: Fester Lieferumfang, fester Funktionsumfang und meist recht fixe Qualitätsanforderungen.

Dies hat stets verhindert, dass die agilen Methoden ihre voll Wirkung entfalten konnten. In vielen Fällen ist es im Projektverlauf zu heftigen Diskussionen über (kostenpflichtige) Änderungswünsche gekommen. Das übliche Problem bei Festpreisverträgen in Projekten mit einem gewissen Innovationsgrad.

Wenn man sich nun die “agilen Werte” bzw. die “Scrum Values” in Erinnerung ruft, so wird klar, dass Festverträge ein erhebliches Konfliktpotential zu diesen Werten aktivierten können. Vor diesem Hintergrund gehen viele Vordenker der agilen Bewegung in prinzipielle Opposition zu Festpreiskontrakten. Scott Ambler bezeichnet solche Verträge beispielsweise als unethisch.

Trotzdem sind Festpreisverträge die Norm, Verträge nach Aufwand selten und Mischformen kommen kaum vor.

Peter Stevens hat sich vor diesem Hintergrund mit der Problematik der Vertragsgestaltung näher beschäftigt:

In seinem Artikel Contracting for Agile Software Projects, Part 1 beschreibt er zunächst die Zielsetzung eines Vertrages, was ein Vertrag enthalten sollte und wie Vertragsformen verglichen werden können. In seinem lesenswerten Beitrag 10 Contracts for your next Agile Software Project vergleicht er schließlich die verschiedenen Vertragsformen und ihre “Kompatibilität” mit Scrum:

This week, let’s look at a number of possible contracts, and see how they work with agile and Scrum development projects:

  1. the “Sprint Contract”
  2. Fixed Price / Fixed Scope
  3. Time and Materials
  4. Time and Materials with Fixed Scope and a Cost Ceiling
  5. Time and Materials with Variable Scope and Cost Ceiling
  6. Phased Development
  7. Bonus / Penalty Clauses
  8. Fixed Profit
  9. “Money for Nothing, Changes for Free”
  10. Joint Ventures

Quelle

Ein wirklich wichtiger Beitrag, auch wenn man nicht jedem Argument zustimmen möchte.

UPDATE:

Der Vollständigkeit halber noch der Hinweis auf einen Artikel von Bernd Oestereich: “Der agile Festpreis und andere Preis- und Vertragsmodelle, Objekt-Spektrum, 01/2006, 4 Seiten, Seite 30“. Bernd beschreibt dort Preismodelle wie:

  • Festpreis
  • Aufwandspreis
  • Aufwand mit Obergrenze
  • Mehrstufiger Festpreis
  • Anforderungseinheitspreis
  • Agiler Festpreis

und vergleich diese unter Berücksichtgung verschiedener Aspekte (z.B. Budgetsicherheit, Kalkulationstransparenz, Verhandlungsaufwand, etc.). Obwohl der Artikel mittlerweile einige Jahre alt ist (2006) immer noch lesenswert.