KADEV09: Entwicklertag: Agil & PMBOK

Agil &PMBOK-konform – das passt doch nicht zusammen, oder doch?

Stefan G. Gfrörer (PRODYNA AG)
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Der Vortrag stellt die These vor, dass agiles und traditionelles Projektmanagement teilweise vereinbar sind, wobei im Vortrag der Fokus auf Vorstellung des traditionellen Projektmanagements gelegt wurde. Grund hierfür war, dass sich die meisten Anwesenden sehr gut mit agilen Methoden auskennen, weniger gut  mit dem traditionellen Projektmanagement.
Stefan Gfrörer hat als CSM und PMP sowohl Erfahrung mit agilen Methoden als auch mit dem traditionellen Projektmanagementansatz.

PMBOK = Project Management Body of Knowledge

  • Sammlung von Standards für das Projektmanagement
  • Inhalte ändern sich mit der Zeit, genau wie sich das Projektmanagement über die Zeit verändert
  • Projektmanagement für verschiedene Einsatzzwecke – nicht nur IT
  • PMBOK Guide ist nur ein Auszug der “good practice” beschreibt
  • PMBOK ist kein Prozessmodell
  • PMBOK != Wasserfall

Einen kurzen Überblick über den PMBOK findet ihr bei Wikipedia.

Herausgegeben wird das PMBOK von der PMI (Project Management Institute) , dem weltweit größten Verband für Projektmanagement, welches auch Zertifikate wie das PMP (Project Management Professional) vergibt.

ANMERKUNG: In Deutschland ist die IPMA (International Project Management Association) mit der GPM (Gesellschaft für Projektmanagement) als deutschem Chapter populärer als das PMI.

Es wurde auch der PSP (Projektstrukturplan, engl. WSB/Work Breakdown Structure) als das zentrale Steuerungsmittel im Projektmanagement vorgestellt. Hat dieser einen konzeptionellen Fehler, so zieht sich dieser durch alle abgeleiteten Artefakte.

Nach dem Überblick über PMI und PMBOK folgte ein kurzer Überblick über agile Methoden / Scrum.

Schließlich wurde dargestellt, dass aus Kundensicht das traditionelle Projektmanagement zunächst eine bessere Verlässlichkeit mit seinen GANTT-Charts und anderen Artefakten darstellt, während agile Methoden mit “schwammigen Wolken” arbeiten. Ein unerfahrener Kunde neigt in diesem Fall dazu, dem traditionellem Projektmanagement mehr zu vertrauen als dem agilen Vorgehen.

Auf den folgenden Folien wurde schließlich aufgeführt, wie sich agile Praktiken bestimmten Prozessgruppen im traditionellen Projektmanagement zuordnen lassen. Anhand verschiedener Parallelen aufgezeigt: Scrum und PMBOK passen zusammen.

Es wurden einige Vorschläge gemacht, wie eine Integration von Scrum & PMBOK aussehen könnte:

  • PSP nutzen als Ausgangsbasis, dann davon Feature-Bundles und Arbeitspakete ableiten
  • Planung mittels Projektplan bis auf Team-Ebene, Teams dann für die Details verantwortlich
  • Scoping der Fetaures
  • enge Zusammenarbeit Team <-> PO
  • gutes Changes Management
  • PO + PL müssen Scope des Projektes managen

Mein Fazit: Wenn ich PMBOK-Wissen habe, dann kann ich Themen bewusst berücksichtigen und kompatibel zur Scrum-Welt berücksichtigen.
Meine grundlegende Kritik an Scrum:  Starke Verallgemeinerung in bestimmten Bereichen:  Der PO soll alle “geschäftlichen Aspekte” handhaben, der ScrumMaster soll die Prozesse immer durchsetzen können.

Das Publikum war in dieser Hinsicht geteilt: Es wurde sogar darauf hingewiesen, dass das traditionelle Projektmanagement noch nie funktioniert hat und es gefährlich ist, die agilen Vorgehensweisen mit Ideen/Artefakten aus dem raditionellen Projektmanagement zu verschmutzen.

Meine Meinung dazu: Natürlich gilt, dass gerade durch die Reduzierung der komplexen Zusammenhänge durch Scrum die Möglichkeit sich richtig zu fokussieren verbessert wird. Es gilt also abzuwägen und zu entscheiden, was man tun möchte und was eben nicht.

Kombination von agien Methoden & traditionellem Projektmanagement wird intensiv diskutiert …

Die Kombination von agilen Methoden und traditionellem Projektmanagement wird zunehmend in der Projektmanagement-Community diskutiert, eine sehr interessante Reihe an Postings hierzu wurde von Andreas Heilwagen in seinem Blog veröffentlicht:

… weitere Themen findet ihr, indem ihr nach “PMBOK” in seinem Blog sucht.

3 thoughts on “KADEV09: Entwicklertag: Agil & PMBOK

  1. Im grundlegenen Ansatz gibt es m.E. einen wichtigen Unterschied. Bei agilen Vorgehensweisen steht der Mensch im Mittelpunkt, die klassischen sind hingegen prozessartiger wobei eine größere Zahl von Artefakten den Prozess “eindämmen” soll. In einigen Projekten habe ich gute Erfahrungen damit gemacht Teilrojekte/Arbeitspakete agil zu bearbeiten obwohl der Gesamtkontext des Projektes klassisch “gemanagt” wurde. Konkret kann z.B. die Grobspezifikation einer SW, die aus den “Meilensteinzielen” stammt, als Initialbefüllung des Produkt-Backlogs genommen werden.

    • Meiner Erfahrung nach ist das Arbeiten mit agilen Methoden zielführender: Die Menschen und das Ergebnis der Arbeit stehen viel stärker im Fokus als beim traditionellen Projektmanagement!

      Allerdings ist damit der Blick auf die Unternehmensrealität auch etwas eingeengt, vgl. die Postings zum Recht im Softwareengineering & Projektmanagement.

      Agile Methoden eignen sich hervorragen für ein Projekt bzw. für eine Produktentwicklung, wenn alle Beteiligten sich vertaruen und offen miteinander umgehen (-> agile Werte). Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist man schnell beim Claim-Management und sollte – zumindest als übergeordneten Prozess – auf traditionelle Projektmanagement-Praktiken setzen.

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