Cargo Cult & Scrum & was weiss ich

imageVor einem Jahr habe ich schon kurz über kultische Handlungen und verblendete Missionare aus der “agilen Subkultur” ;-) geschrieben und mich kurzerhand zum XPAPM (eXtreme Pragmatic Project Manager) ernannt.

Das Thema kommt jetzt gerade wieder hoch (Sommerloch?), so versteht Boris irgendwie nicht, dass für manche Betrachter Scrum etwas kultisches haben kann.

Ralf Eisend schreibt was nettes über “Cargo Cult” und verweist auf die Glaubenskämpfe im Umfeld von Scrum und anderen agilen Methoden. Naja, fairerweise will ich nicht unterschlage, dass er wohl auf Projektmanagement im Allgemeinen abzielt. Da aber gerade Scrum so hipp ist …

Dabei könnte alles doch so einfach sein: Inspect & Adapt. Anschauen, verstehen, anpassen. Dazu noch “Individuals and interactions over processes and tools” und es sollte passen.

Dabei bitte auch kritische Diskussionen aushalten und zugeben, wenn man etwas nicht weiß. Nicht alles aus den ersten Scrum Büchern kann man direkt in der Unternehmensrealität einsetzen ohne auch Schaden anzurichten.

Uuuuund gaaaanz wichtig: Nicht alles dreht sich gleich im Scrum-Takt wenn man das will. Falls es überhaupt möglich sein sollte eine Organisation entsprechend umzubauen ist dies ein harter Weg. Ein Weg, der nicht für alle Beteiligten Gutes bringt und auch zu Verlierern führt. Hier ist wirklich Augenmaß gefragt!

Scrum ist doch gut …

Ich bin von der grundlegenden Idee und den Werten in Scrum überzeugt. Ich sehe diese allerdings stets im Kontext. Eine Unternehmensrealität kann auch dazu führen, dass bestimmte Dinge (Praktiken) nicht funktionieren können und das Leben von (positiven) Werten zu Problemen führt.

Ist das ein Problem von Scrum? Nein. Das Problem ist, dass teilweise die Realität (der Kontext) ignoriert wird, in dem die Praktiken und Werte Anwendung finden.

Die Herausforderung besteht dann darin, die Rahmenbedingungen langsam anzupassen oder erkennen zu müssen, dass eben nur eine suboptimale Implementierung von Scrum möglich ist.

Viele freiberuflichen Berater kennen diese langen und teilweise sehr frustrierenden Kampf nicht (mehr). Freiberufliche Experten werden eingesetzt, wenn grundsätzliche Entscheidungen bereits getroffen wurden. Meist auf Basis der Erkenntnis, dass es überhaupt ein Problem gibt.

Naja, deshalb haben es die großen Scrum-Evangelisten einfacher. Von denen wird erwartet, dass sie die “große Welle” mitbringen.  Es folgt leider häufig eine Zeit voll Aktionen und Reorganisation von Prozessen. Der freie Berater als Held und Evangelist. “Ich sage euch was ihr machen müsst, damit es euch besser geht!” ist doch häufig das Muster nach dem agiert wird.

Aber auch Berater aus dem Scrum-Umfeld  sind eben nicht davor gefeit auf einem Auge blind zu sein. Dann beginnt lokale Optimierung (“ändere das was Du kannst”), was sofort Widerstand an anderer Stelle hervorrufen kann. Bevor dies aber richtig deutlich wird, ist der Berater schon wieder auf einem anderen Gig…

Ist ja auch gut so. Oder so …

2 thoughts on “Cargo Cult & Scrum & was weiss ich

  1. Du schreibst: “Die Herausforderung besteht dann darin, die Rahmenbedingungen langsam anzupassen oder erkennen zu müssen, dass eben nur eine suboptimale Implementierung von Scrum möglich ist.
    Viele freiberuflichen Berater kennen diese langen und teilweise sehr frustrierenden Kampf nicht (mehr). Freiberufliche Experten werden eingesetzt, wenn grundsätzliche Entscheidungen bereits getroffen wurden. Meist auf Basis der Erkenntnis, dass es überhaupt ein Problem gibt.”

    Natürlich kenne ich den langen Kampf des ScrumMasters noch — und ich weiss auch, dass das Wirken intern nicht leicht ist. Aber machen wir uns nichts vor. Ein interner ScrumMaster, der es schafft, dass sein Team anfängt, sichtbar besser zu werden. Dem es gelingt, die Probleme anzugehen und Teilerfolge erreicht, die gesehen werden, der wird seine Handlungsspielräume langsam aber sicher erweitern können. Das ist tatsächlich so. Viele ScrumMaster machen sich auf den Weg, verlieren aber oft das Ziel selbst wieder aus den Augen und geben zu früh auf.

    Ich kann es nur wiederholen, mantra-artig. ScrumMaster ist ein cooler, extrem toller Job, aber man ist nur erfolgreich, wenn man innerlich breit ist – kompromisslos den Weg zu gehen. Mike Cohn ist rausgeflogen. Ken Schwaber wurde von Jeff Sutherland gefeuert, Tobias Mayer musste gehen, ich habe mich oft selbst gegangen nach Aktionen. Sogar als Consultant habe ich lieber das richtige getan und den Hut dann genommen. Das nennt man übrigens Sabotage. Sich selbst sabotieren und dadurch ein Zeichen setzen. Funktioniert nicht immer, aber welche Intervention ist schon 100% erfolgreich.

Comments are closed.