Projektleiter und Aggression

In seinem neuen Podcast “DAPR33 – Mehr Biss im Projekt” diskutiert Mario Neumann die Bedeutung der Aggression, vor allem warum Projektleiter sich ihrer Aggressionen bewusst sein müssen, um sie konstruktiv nutzen zu können.

Hierbei bezieht er sich zu großen Teilen auf Thesen zur “positiven Aggressivität” von Prof. Jens Weidner, der diese in seinem Buch “Die Peperoni Strategie” zusammengefasst hat. Die Ansätze werden mittlerweile bei Management-Trainings genutzt, um Führungskräfte darauf vorzubereiten mit fremder Aggression besser zurecht zu kommen und die eigene Aggression gewinnbringend einzusetzen.

Er erzählte von vielen hochqualifizierten Führungskräften, die stagnieren, weil sie in Deckung gingen, sobald es Gegenwind gab.

Verlieren ist erlaubt, nicht kämpfen verboten

Ein Projektleiter  ist nicht erfolgreich durch unausgegorene Kompromisse sondern dadurch, den eigenen Standpunkt klar zu machen und zu verteidigen. Widersacher, die die eigene Person, das eigene Projekt oder die eigene Organisation angreifen müssen auch einmal bewusst und überlegt attackiert werden, um so möglichen Schaden abzuwenden.

Ein Projektleiter kann nicht einfach nur “nett” sein. Es gehören auch Bissigkeit und Schärfe (“… etwas so, wie man eine feurige Peperoni nutzt, um aus einem faden Einheitsbreis ein köstliches Chili zu zaubern …”).

Ein Projektleiter muss sich Fragen stellen wie: “Woher droht mir potentieller Ärger?”, “Welche Rolle weisen mir die anderen im Team zu (bin ich vielleicht der Sündenbock?)?”, um dann entsprechend handeln zu können.

Mario Neumann weist mehrmals darauf hin, dass die diskutierten Fähigkeiten wie “eigenen Wissensvorsprung nutzen, Gegner ins Leere laufen zu lassen und Distanz mit einem Hauch Arroganz” nicht sonderlich sympathisch klingen, aber zwingend notwendig sind, um Projekte zu Ende zu bringen.

Kurz: Projektleiter sind keine Schäfchen, sondern müssen auch Biss haben.

Verhaltensregeln

Im zweiten Teil des Podcasts stellt die acht Verhaltensregeln von Prof. Jens Weidner für positiv aggressive Menschen kurz vor:

  1. Positives Ziel definieren
    1. eigene gute Ziele als Grundlage für das Handel – auch für unangenehme Themen
  2. Aussichtslose Kraftproben unterlassen
    1. Gewinnchancen prüfen und nur wenn Chancen überwiegen agieren
  3. Klar Stellung beziehen
    1. nicht warten, bis nach der Meinung gefragt wird
    2. Mut zu haben, ungefragt Meinung zu sagen
  4. Nörgler, Loser, Bedenkenträger meiden
    1. Eindruck der Solidarität mit ewig Jammernden vermeiden
  5. Nehmerqualitäten pflegen
    1. kühlen Kopf bewahren
  6. Abwehrrhetorik perfektionieren
    1. verbale Angriffe meist sehr unerwartet
    2. vorbeugend rhetorische Redewendungen üben, um sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen (” … das ist ja sehr interessant was Sie da sagen, ich denk’ darüber nach …”)
  7. Sofort auf negative Gerüchte reagieren
    1. Gerüchte schwächen jede Position, auch wenn unwahr
  8. Gegenspieler regelmäßig analysieren
    1. Wissen, wer faktisch gegen das Projekt ist oder es in Frage stellt

POSITIV aggressiv

Schlussendlich beton Mario Neumann, dass positiv aggressive Menschen, sehr wohl stets das Gemeinwohl im Auge haben, eine Win-Win-Situation anstreben und auf die Einhaltung moralischer Werte und  Fairness achten.

Trotzdem sind diese Ansätze nicht für alle leicht verdaulich. Eine entsprechende Diskussion hat in XING bereits begonnen.