AGILE since 2002

Wenn man mich fragt, seit wann ich mit agilen Methoden Erfahrungen sammle, ist meine Antwort meist “so ab 2004”.

Nun, dies ist nicht ganz richtig.

2003 – ERSTE SIG IN KARLSRUHE ZUM THEMA “AGILE”

Bereits ab 2002 waren Themen rund um Agilität (und hier besonders XP) etwas, was meine Interesse wecken konnte. imageMitte 2003 habe ich schließlich mit ein paar weiteren “Early Adopters” (u.a. Ilja Preuss, Malte Finsterwalder, Johanness Link, …) eine Special Interest Group in Karlsruhe gegründet: “Methoden der agilen Softwareentwicklung” (KAgile).

Diese Karlsruher Gruppe war eine Zeit lang recht aktiv, es gab einige sehr interessante Treffen zu den unterschiedlichsten Themen rund um “Agile”. Ende 2005 ging aus verschiedenen Gründen die Aktivität zurück und mittlerweile wurde die Gruppe de facto durch die viel später gegründete “SCRUM User Group Karlsruhe” abgelöst.

Als “KAgile” gegründet wurde, war ich noch als Entwickler in einem Portalprojekt (Java Enterprise, Spring, Lucene – ja das konnte ich mal richtig gut) tätig, in dem wir auf eigene Faust (Bottom Up) im Laufe der Jahre 2003 und 2004 zunehmend agile Organisationsmethoden eingesetzt und somit mehr oder weniger das operative IT Projektmanagement übernommen haben. Leider ist es uns nicht gelungen auch die agile Entwicklungsmethoden so konsequent umzusetzen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Im Nachhinein etwas, was ich sehr bedaure, da ich später nie mehr so intensiv Software entwickeln konnte wie bis 2005.

AGILISIERUNG

Anfangs 2004 hatte ich den sehr zielführenden Einfall meinen Abteilungsleiter zu überzeugen, dass wir an einer Einführungsveranstaltung zu SCRUM teilnehmen sollten, die zu dieser Zeit durch die Andrena Objects in Zusammenarbeit mit Joseph Pelrine angeboten wurde. Die entscheidenden Kriterien damals waren: GÜNSTIG! KURZ!. Damit war es viel einfacher, “das Management” von dieser Investition zu überzeugen als bei einem Zertifizierungskurs. Die Strategie ging auf – nach dem Seminar wurden unsere Ideen endlich ernst genommen und wir konnten sie zunehmend konsequent in unserem Projekt einsetzen.

Im Nachhinein wurde dieses Projekt von meinem damaligen Abteilungsleiter als eines der bestgeführten Projekte seiner Laufbahn bezeichnet. Transparentes, inkrementelles, iteratives Vorgehen sowie die grundlegenden Werte der agilen Philosophie. Ein schönes und positives Feedback!

Auch meine weiteren beruflichen Stationen waren geprägt von “Agile” und im Speziellen von “SCRUM”. Ich konnte dabei mitwirken agile Methoden einzuführen, sehen wie erste Erfolge gefeiert wurden und wie immer mehr Kollegen die Vorteile eines agilen Vorgehen erkannten. Ich habe aber auch immer wieder erlebt, wie Wunschdenken (auch und gerade bei den neu agilisierten Kollegen/Vorgesetzten) positive Ansätze verwässert und ad absurdum geführt haben. Seit jener Zeit reagiere ich recht empfindlich auf Wunschdenken / “Wishful Thinking”. Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Ja, das ist wohl wahr.

Auch ist es interessant zu sehen, wie die gleichen Fehler immer wieder gemacht werden. Egal, ob in “Wasserfall” oder in “Agile” verpackt. Jeder neu zertifizierte SCRUM Master (oder neu zertifizierte Projektleiter) erfindet vieles neu, ignoriert gerne den Status Quo und überschätzt im Allgemeinen seinen Einfluss. Schön, wenn ein etwas erfahrener Kollege diesen Willen zur Veränderung auf Themen lenken kann, die konkret angegangen werden können. Strategie der kleinen Schritte – und zusammen mit wirklich erfahrenen Experten dann der große Sprung! Aber man kann das natürlich auch ignorieren und das eigene Team/Projekt schön an die Wand fahren lassen. Für was sind Wände denn sonst da?

Seit 2010 bzw. 2011 (Vollzeit) bin ich als Berater für agile Organisationsformen tätig. Hierbei helfe ich gerne als Sparringspartner das ALTE aber auch das NEUE in Frage zu stellen, um dann gemeinsam gute Lösungswege zu erarbeiten. Eine Aufgabe, die mir viel Spaß macht, da ich meine langjährige Erfahrung einbringen kann, wovon wiederum meine Kunden profitieren.

STATE OF AGILE

Mittlerweile sind agile Methoden weit verbreitet und de facto Standard in der Softwareentwicklung. Allerdings gibt es auch häufiger warnende Stimmen vor einer Verwässerung bzw. vor dem “2. Graben” zwischen Early und Late Majority.

ES GIBT ETWAS ZU FEIERN …

Nun, ich werde 2012 wohl mein persönliches Jubiläum “Zehn Jahre Agile” feiern. Um herauszufinden, wann genau, muss ich wohl noch etwas E-Mail-Archäologie betreiben.

… UND IHR?

Wisst ihr noch, wann ihr AGILISIERT wurdet? Welche Erfahrungen habt ihr auch eurem Weg der “Agilisierung” gemacht? Welche Erfolge und Rückschläge erlebt?

Über ein paar Kommentare würde ich mich freuen!