Gerade gesehen: Meine Mind Map mit einem Überblick zu Scrum ist jetzt #1 bei den “Recent Popular Maps”. Meine Mind Map fürs Projektmanagement von Kleinstprojekten rangiert auf Platz #6.
Category Archives: Projektmanagement
Mind Map: Scrum
Mind Maps nutze ich schon relativ lange. In letzter Zeit setze ich diese Technik und die erzeugten Mind Maps immer stärker ein.
Für sehr kleine Projekte kann eine aktuell gehaltene Mind Map sogar einen Großteil der Projektdokumentation ersetzen. Sozusagen die WBS in die Mind Map gießen und den Status plakativ festhalten. Ist natürlich weder die echte Projektmanagement-Lehre (WBS und Fortschritt nicht vermischen), noch echtes Mindmapping. Funktioniert allerdings überraschend gut.
Mit Werkzeugen wie XMind kann man zudem direkt eine Tabelle hinzufügen (bzw. einen Ast als Tabelle visualisieren) und damit die wichtigsten Termine im Auge behalten.
Gestern habe ich mir nach längerer Nutzung der kostenlosen Standard-Version die Pro-Lizenz für XMind gegönnt (Aktionspreis etc.) und ein bisschen herumgespielt und eine einfache Mind Map zum Thema Scrum erzeugt.
Wie immer freue ich mich natürlich über Kommentare!
UPDATE: Simon Baker hat ein wirklich beeindruckende Mind Map zu Scrum erstellt.
Scrum User Group Karlsruhe: Die Leiden des Scrum Product Owner
Das letzte Treffen der Scrum User Group Karlsruhe in 2009 beschäftigte sich mit der Rolle des Scrum Product Owners. Genauer: “Herausforderungen für unseren Product Owner”.
Zunächst wurde darüber diskutiert, wie/ob der Product Owner (PO) zum Scrum Team gehört. Relativ schnell wurde die allgemein akzeptierte Formel “Scrum Team = (Dev) Team + SM + PO” übernommen.
Auf die Frage, wer bereits als Product Owner arbeiten konnte, gab es nur wenige Meldungen. Die Verteilung dürfte ähnlich wie bei den Zertifizierungen sein: Viele ScrumMaster, wenige ProductOwner.

Danach wurden typische Herausforderungen für den Product Owner gesammelt:
Die Punkte wurden auf Karten geschrieben und dann inhaltlich gruppiert. Die größte Gruppe stellten dabei die organisatorischen Herausforderungen bzw. Rahmenbedingungen da:
- Am meisten kritisiert: Der Product Owner hat keine echten Entscheidungsbefugnisse (ProductOwner != Gold Owner).
- Teilweise sind POs nur Verwalter eines Team-Backlogs, d.h. die Rolle des POs wird ad absurdum geführt. Sehr beliebt v.a. bei Multi-Projekt-Umgebungen.
- POs müssen die Arbeitsweise des Scrum Teams bzw. das Projekt nach außen vertreten. Hierbei spielen oft fixe Termine für Releases, Budgets (EUR, PT) und Standards (Norm xyz) eine wichtige Rolle. Die äußeren Zwänge in Einklang mit der Sichtweise innerhalb des Scrum-Prozesses zu bringen bleibt oft alleine die Aufgabe des PO.
- POs bekommen in ganzer Schärfe den Wettbewerb zu spüren, ohne den Druck weitergeben zu können. Letztendlich sind Product Owner die Schnittstelle zur Welt außerhalb des Scrum-Teams.
- …
Diese größte Gruppe wurde klassifiziert als “Pech, das ist der Job des Product Owners” ;-)
Augenmerk wurde dann auf Herausforderungen gelegt, die direkt beeinflusst werden können. Dazu gehören:
- Überforderung des Product Owners durch die vielfältigen Aufgaben. Der Product Owner sollte bei größeren Projekten nicht alleine agieren, sondern es soll eine Hierarchie von Product Ownern geben (PO of PO)
- Product Owner sollte ein gutes technisches Verständnis haben
- Product Owner sollte nicht zu viel technisches Verständnis haben (Oh! Ein Widerspruch)
- Der Product Owner soll direkt mit dem Kunden interagieren, aber im besten Fall auch immer für das Team erreichbar sein. Problematisch, wenn der Kunde relativ weit entfernt ist.
- … sowie noch eine große Anzahl weiterer Themen (hat die jemand mitgeschrieben?)
Letztendlich wurde allen Beteiligten schnell klar, welche Anforderungen die Rolle des Product Owners stellt und das die Arbeit als PO voll widersprüchlicher Zielsetzungen sein kann (Team coachen ja/nein, einmischen bei technischen Fragestellungen ja/nein, Rahmenbedingungen verändern wollen ja/nein, Team hinterfragen ja/nein, …).
Meiner Meinung nach verbirgt sich jedoch hinter vielen Wiedersprüchen auch eine Verantwortung, welche zum großen Teil vom Team übernommen werden müsste. Das Team darf nicht eindimensional auf der technisch besten Lösung beharren, sondern muss die Rahmenbedingungen – auch die wirtschaftlichen – verstehen und ist deshalb in der Pflicht Alternativen anzubieten und auf mögliche Auswirkungen hinzuweisen. Leider sind die meisten Entwickler-Teams hier sehr zurückhalten und ziehen sich auf eine vereinfachte Sichtweise zurück.
Gerade bei Teams, in denen die Schlüsselrolle des POs geschwächt ist, fehlt den Team-Mitgliedern der Ansprechpartner für schnelle Entscheidungen und sie ziehen sich zunehmend in die Passivität oder Feuerwehraktionen zurück. Genau so darf Scrum natürlich nicht laufen, dürfte aber zu der verbreitesten Form der Scrum Implementierung zählen ;-(
Festpreisprojekte und Scrum
Auf der Mailingliste scrumdevelopment wurde vor einigen Tagen die spannende Frage diskutiert ob/wie Scrum zu Projekten mit Festpreis-Verträgen passt. Eine Frage, die immer wieder diskutiert wird, wie schon ein anderer Thread aus dem Jahr 2006 zeigt.
Im Rahmen der aktuellen Diskussion wurde immer wieder das Festpreis-Modell als sehr problematisch bezeichnet, allerding sind in vielen Bereichen Festpreis-Projekte Standard und dieses wird sich trotz der vielfältigen Nachteile dieser Vertragsform wohl auch in absehbarer Zeit nicht ändern.

Da auch in meinem Umfeld Festpreis-Projekte dominieren, hier ein paar Gedanken zu dem Thema.
Festpreis-Projekte – nicht nur der Preis ist fix
In einem Festpreis-Projekt sind alle wesentlichen Parameter vorgegeben:
- Das Angebot definiert den Preis, es gibt keine variablen Anteile
- Die Spezifikation definiert dem Umfang, die Features – in Scrum-Speak den “Scope”
- Die Termine sind in den meisten Fällen ebenfalls genau fixiert, Strafzahlungen bei Terminverfehlungen sollen häufig die Termintreue verbessern
- Hinsichtlich Qualität wird meist mit Verweise auf “entspricht dem aktuellen Stand der Technik” etc. gearbeitet; Formulierungen die für Juristen Munition genug abgeben
Auf den ersten Blick vermittelt ein Festpreis-Vertrag damit den Eindruck einer sicheren Grundlage für das Projekt. Der Teufel steckt – wie immer – im Detail.
Typische Herausforderungen bei Festpreis-Projekten
Beispiele für typische Herausforderungen beim Einsatz von Festpreisprojekten sind:
- Meist wird der Preis stark durch den Wettbewerb beeinflusst. Schätzungen der Entwicklungsabteilungen werden nach unten korrigiert, Risiken nicht ausreichend eingepreist. Der Vertrieb wird oft am Umsatz der abgeschlossenen Verträge gemessen und weniger daran, ob die versprochenen Leistungen auch geliefert werden können.
- Anforderungen und Spezifikation sind in der Regel weder ausreichend genau noch fehlerfrei. Selbst wenn dies der Fall wäre, dann würde eine Spezifikation die noch vor der ersten echten Projektphase geschrieben wurde, nie die wirklichen Wünsche des Kunden abdecken. Zudem ändern sich diese stetig.
- Im Allgemeinen hat man bei Ausschreibungen für Festpreis-Projekte nur beschränkt die Möglichkeit eng mit den (potentiellen) Auftraggebern zusammen zu arbeiten. Der Aufwand ist zudem eine erhebliche Investition, die sich nur auszahlt (?), wenn das Angebot attraktiv genug ist, um den Zuschlag für das Projekt zu erhalten. Attraktivität definiert sich hierbei oft über die ausgewiesenen Kosten.
- Termine werden meist ebenfalls durch Wunschdenken herbeigeführt. Mögliche Risiken werden hierbei ebenfalls ignoriert.
- Qualitätskriterien sind nicht vereinbart, alle beteiligten Parteien haben eine unterschiedliche Auffassung, was genau unter Qualität zu verstehen ist.
Roy Morien schreibt in seinem Beitrag einen entscheidenden Satz, der wohl irgendwann in jedem Festpreis-Projekt von Auftraggeber gesagt wird:
‘Oh, but surely you understood that {some feature or process} is part of what we asked for’.
In vielen Fällen war hierbei wohl selbst dem Auftraggeber zum Zeitpunkt der Beauftragung nicht klar, dass die Funktion oder der Prozess zum Leistungsumfang gehört. Sonst hätte er dies nach Erhalt der Spezifikation anmerken müssen. Der Auftraggeber kann sich im Allgemeinen nicht von seinen Mitwirkungspflichten entbinden.
Vorgehensweise bei Angebotslegung und Abwicklung
Im Allgemeinen wird bei Festpreis-Projekten auf zwei Arten auf die Herausforderungen reagiert:
- Bei kleineren Punkten wird ein im Festpreis vorgesehene “Puffer” genutzt, um unnötige Reibungsverluste durch Verhandlungen von Änderungswünschen zu vermeiden. Eine Methode die nur bedingt zu empfehlen ist, da im Allgemeinen der Puffer in anderen Positionen verstreckt wird und damit das Vertrauen beschädigt werden kann.
- Im Allgemeinen muss bereits kurz nach Projektbeginn über Änderungswünsche diskutiert werden. Änderungswünsche haben meist Auswirkungen auf Projektbudget und Termine. Teilweise gelingt es aber auch Funktionen zu tauschen, d.h. den Scope des Projektes anzupassen.
Erfolgsfaktoren
Entscheidend bei Festpreis-Projekten sind oft Punkte wie
- Offenheit und Vertrautheit: Kommunizieren Auftragnehmer und Auftraggeber offen miteinander und besteht grundsätzlich Vertrauen zwischen beiden Parteien?
- Rahmenvertrag und Einkauf: Ist der Rahmenvertrag fair oder wird eine der beiden Parteien stark benachteiligt? Wann/wie muss bei Konzernen die Abteilung für Einkauf / Projektabwicklung involviert werden. Welche Vorgaben und Prozesse bestehen?
- Nachvollziehbarkeit: Sind die Änderungswünsche für beide Parteien nachvollziehbar? Sind die Kosten nachvollziehbar?
- Änderungswesen: Wurde über den Umgang mit Änderungswünschen schon bei den Vertragsverhandlungen gesprochen?
- Flexibilität: Hält der Auftraggeber einen Teil des Projektbudgets zurück, um Änderungswünsche schnell finanzieren zu können? Ist er flexibel genug, um Anforderungen tauschen zu können?
- Kapazität: Hat der Auftragnehmer die Kapazität und die Fähigkeiten, um Änderungswünsche zeitnah umsetzen zu können?
Vielfältige Meinungen aus der Agilen Community
Das Thema Festpreis-Projekte hat schon immer vielfältige Reaktionen ausgelöst. Besonders heftig wird in der Agile Community diskutiert.
Scott Ambler beispielsweise bezeichnet Festpreis-Projekte als grundsätzlich unethisch:
Fixed price work is unethical. As wannabe professionals we need to stand up to the bureaucratic treadmill.
Peter Stevens hat zum Thema Festpreis-Projekte und Scrum auf dem Italien Agile Day eine Key Note gehalten. Eine kurze Zusammenfassung über verschiedene Vertragsformen – inkl. Festpreis - kann man hier nachlesen.
Simon Baker hat vor längerer Zeit schon über Festpreisprojekte etwas geschrieben:
To say how much something will cost, you need to know in great detail exactly what needs to be built so that your estimates for the work can be accurate. But you can’t define everything you want, in detail and up front, and get it exactly right so there will be no changes in the future. And no estimate is ever accurate (it wouldn’t be an estimate if it was). […] Don’t base the contract with your vendor on conformance to a detailed requirements specification. If you do, you’re saying all your good ideas happen at the start of a project and you’re effectively betting all your money on a hole-in-one
Woraufhin einer seiner Leser seine Erfahrungen mit einem Festpreisprojekt schildert:
[…] fixed price contract where the client and contractor fought endlessly over what was included in the price I endorse everything said above. Unless you are exceptionally lucky your fixed price contract will be toxic to the client supplier relationship.
Paul Klipp erläutert in seinem Artikel, warum Festpreis-Projekte letztendlich auch schlecht für den Kunden sind: Why Fixed Bids Are Bad for Clients (Scrum Alliance).
Einen Überblick über verschiedene Vertragsformen in agilen Organisationen gibt ein älterer Artikel hier auf Armerkater.de.
Fazit
Mein Fazit zu Festpreis-Projekte ist, das es sich um eine in der Industrie immer noch sehr beliebte Vertragsform handelt, die mit vielen Herausforderungen verbunden ist. Gründe hierfür sind die scheinbare Sicherheit für den Auftraggeber.
Auch bei Festpreis-Projekten kann man (relativ) gut und flexibel auf Änderungen reagieren – wenn Auftraggeber und Auftragnehmer dieses Thema offen angehen und an einer Win-Win-Situation interessiert sind.
Gibt es jedoch kein Grundvertrauen, so kann jedoch schnell eine Lose-Lose-Situation entstehen:
Der Auftraggeber wird im besten Fall bekommen, was er spezifiziert hat – nicht was er wirklich braucht. Ein zunächst preisgünstig erscheinender Anbieter kann sich im Rahmen von Änderungswünschen als vergleichsweise teuer herausstellen.
Für Anbieter stellen Festpreis-Projekte stets eine große Herausforderung da, vor allem wenn im Angebot keine große Marge zu erwarten ist bzw. kein großer Sicherheitspuffer eingepreist werden kann. Im Grunde müssen Festpreis-Projekte deshalb immer teurer verkauft werden, als Projekte die nach Aufwand abgerechnet werden. Hier spielen Risikorückstellungen, Verhandlungsmasse, Puffer und zusätzliche Verhandlungs- und Analysekosten eine Rolle.
Termine: Scrum User Group Karlsruhe, IT-Projektmanagement Stuttgart
Die XPDays finden jetzt in Karlsruhe statt, demnächst gibt es weitere interessante Termine in Karlsruhe bzw. Stuttgart:
02.12.2009: Scrum User Group Karlsruhe – Product Owner Herausforderungen
02.12.2009, ab 20:00 Uhr, Großer Kurfürst, Sophienstrasse 80, 76135, Karlsruhe, Deutschland
Agenda:
- n.n. moderiert das Thema “Herausforderungen für unseren Product Owner”
- Freie Gespräche zu jedem Thema das gerade aktuell ist
- Themensammlung für folgende Treffen aktualisieren
Anmeldung via Termin bei Xing:
https://www.xing.com/events/scrum-user-group-karlsruhe-product-owner-herausforderungen-432772
04.12.2009: Regionale Fachgruppe IT-Projektmanagement in Stuttgart – PM & Stress
04.12.2009, 18 Uhr in Raum K5 (EG), Kienestr. 35, S-Mitte
PM & Stress – mit Stress besser umgehen, Spielregeln & Teamvertrag, Gesundheitsbewusste Teamführung
Es geht diesmal um das Thema Gesundheit und Stress im Umfeld von Projekten und Projektmanagement.
Damit ist eine der Fragestellungen: “Wie gehe ich als Projektleiter (gut) mit dem Stress um?”, eine andere, “Wie berücksichtige ich als PL die Gesundheit meiner Projektmitarbeiter?” und “Worauf ist dabei überhaupt zu achten?”.
Details zur Anmeldung befinden sich auf der Webseite: http://www.stz-itpm.de/de/detail.php?nr=1329&rubric=Fachgruppe_ITPM.
Success Stories zu agilen Methoden beim Nearshoring gesucht
Agile als Mega-Trend
Agile Methode wie Scrum sind ein Mega-Trend und mittlerweile in der IT-Industrie weit verbreitet. Sie führen in vielen Fällen zu erstaunlich guten Ergebnissen: Mittels Fokussierung und den anderen Werten in Scrum können Verbesserungen in der Produktivität und Qualität erreicht werden, wie man sie früher nicht für möglich gehalten hat.
Wo früher basierend auf einem Wasserfall-Modell eine Vielzahl von schnell veralteten Dokumenten erzeugt wurden, werden heute Werte geschaffen und damit sowohl Auftraggeber als auch Auftragsnehmer gestärkt.
Ursprung in fokussierter Umgebung
Agile Methoden haben ihren Ursprung jedoch in einem überschaubaren Umfeld, in dem ein fokussiertes Team mit einem Auftraggeber direkt zusammen arbeitet. Dies ist natürlich in größeren Unternehmen so nicht mehr der Fall, Scrum und die anderen agilen Methoden wurden neu interpretiert, um auch in wesentlich größeren Settings gute Ergebnisse liefern zu können.
Scaling Agile
Dem Ausspruch “all large scale development is distributed development” (vermutlich Dean Leffingwell?) kann ich nur zustimmen – und dieser Herausforderung stellen sich bereits viele größeren Projekte, in denen verteilten Entwickler-Teams Lösungen erarbeiten und sich dabei durch erweiterte Scrum-Implementierungen koordinieren (lassen).
Kurz: Agile goes distributed … oder Agile goes Global.
Kommunikation ist wichtig
Letztendlich basieren agile Methoden jedoch stets auf einer sehr engen und direkten Kommunikation aller Beteiligten. Zu viele Zeitzonen sind hierbei hinderlich, weshalb eine beliebige Verteilung von Team-Mitgliedern über den Erdball stets zu großen Herausforderungen führen wird.
Sourcing von Entwicklungsleistungen
Was jedoch sicherlich in den nächsten beiden Jahren an Bedeutung gewinnen wird ist der Einsatz von agilen Zulieferern auf dem benachbarten Ausland. Heute noch meist von bestimmten Arten der Festpreis-Projekte bestimmt, wird sich sowohl der Käufer- als auch Anbietermarkt sicherlich in Zukunft immer mehr an agilen Verträgen orientieren. Zu oft haben sich Festpreis-Projekte als “Lose-Lose” herausgestellt, heute bieten moderne Vertragsformen ganz andere Möglichkeiten.
Die räumliche Nähe – für Deutschland beispielsweise das östliche Europa oder auch Ägypten – bietet einerseits die typischen Vorteile von Offshoring: Geringere Lohnkosten, Verfügbarkeit von Expertenwissen, bessere Möglichkeiten zu skalieren, bestimmte Arten der Flexibilität – ohne die großen Zeitunterschiede wie beispielsweise China aufzuweisen. Bei Problemen im Projektverlauf ist es auch leicht möglich, als Auftragsgeber schnell das Team zu besuchen und intensive Gespräche mit dem Anbieter zu führen.
Anbieter ohne Erfahrung in agilen Methoden?
Allerdings ist auch anzumerken, dass heute noch erstaunlich wenige Anbieter von Entwicklungsleistungen mit nachweisbaren Erfahungen und Erfolgen beim Einsatz von agilen Methoden und Praktiken gibt. Die wenigsten Anbieter nutzen ihre Erfahrungen intensiv im Vertrieb und im Marketing. Agile wird teilweise noch als “können wir auch” und nicht als Kernkompetenz verstanden.
(Success) Stories gesucht!
Darum mein Aufruf: Wer hat bereits positive Erfahrungen sammeln können? Wer kennt Anbieter, die hier aktiv sind? Genau so spannend sind jedoch auch Berichte zu gescheiterten Versuchen! Vielleicht mag der eine oder andere Anbieter auch etwas dazu sagen?
GPM Gehaltsstudie für Projektmanagement
Die Gesellschaft für Projektmanagement hat ihre aktuelle Gehaltsstudie bereits vor einige Zeit veröffentlicht. Hinsichtlich des Jahresgehalts ergibt sich jedoch keine positiven Entwicklung für Projektleiter: Im Vergleich zur Studie 2004/2005 ist das durchschnittliche Jahresgehalt sogar gesunken. Von zuvor 69.663 EUR ist das durchschnittliche Jahresbruttogehalt ohne Sonderleistung auf 67.664 EUR gesunken.
Weitere Details können in der Studie nachgelesen werden.
Auch in dieser Gehaltsstudie wurde versucht, Kriterien zu identifizieren und in eine Formel zu überführen, mit der das durchschnittliche Grundgehalt hergeleitet werden kann.
Analog zur ersten Studie wird auch hier ein Verfahren angeboten, damit mit Hilfe einer linearen multiplen Regression die Höhe des Grundgehalts prognostiziert werden kann.
Jahrebruttogehalt = 35.479 + 2.473 * y + 387 * h – 3.108 * n
Wobei gilt:
- y = Jahre Berufserfahrung Projektmanagement
- h = Wochenstunden
- n = Leitungsebene (Projekt-Direktor=1; Senior Projektleiter=2; Projektleiter=3; Teil-Projektleiter=4)
Spezialkenntnisse oder einen Übergang aus einer anderen Rolle in das Projektmanagement lassen sich damit natürlich nicht abbilden.
Beispiel1: Ein erfahrener Consultant, der in das Projektmanagement wechselt, wird sicherlich nicht mit einer Rückstufung seines Gehalts einverstanden sein, da er weniger Erfahrungen im Projektmanagement hat.
Beispiel2: Ein interessanter Trend aus den USA ist, dass die Nachfrage nach Personen mit Kenntnissen im Bereich Scrum kombiniert mit klassischen Projektmanagementthemen stark ansteigt. Stefan Hagen hat dazu kurz etwas geschrieben. Experten, die Kenntnisse in beiden Gebieten haben sind selten – und damit entsprechend teuer.
Andere Artikel zu diesem Thema:
Agile Eastern Europe und Agile Nearshoring
Jutta Eckstein berichtet von der Konferenz “Agile & Scrum in Eastern Europe”, einer Veranstaltung die diesen September zum ersten mal in der Ukraine stattfand.
Fokus der Konferenz lag – neben allgemeinen agilen Themen – besonders auf der Nutzung von agilen Prozessen bei verteilten Projektteams.
Wie Jutta richtig schreibt:
Es war naheliegend, dass der Fokus der Konferenz auf verteilter agiler Entwicklung lag, da der Großteil der Teilnehmer aus Ländern des ehemaligen Ostblocks kamen, die häufig Mitarbeiter und Teams für Offshore- oder Nearshore-Projekte stellen. Agile Entwicklung ist für diese Teams nicht nur ein großes Thema, weil häufig ihre Kunden Agilität als strategische Vorgehensweise erkannt haben, sondern da es auch für die Offshore-Teams wesentlich einfacher ist, Projekte erfolgreich abzuschließen, wenn sie eine agile Vorgehensweise einsetzen.
Mittlerweile sind viele der Präsentationen online verfügbar, die eindrucksvoll belegen wie beliebt agile Entwicklungsmethoden mittlerweile bei unseren östlichen Nachbarn sind und wie erfolgreich diese eingesetzt werden. Kombiniert man nun diese Kenntnisse mit einem agilen Sourcing-Ansatz, dann kann Agile Nearshoring beginnen.
Interessante Vorträge im Themenbereich des Agile Nearshoring interessant sind:
- Proximity over distance (Jutta Eckstein)
- Agile Scales, Waterfall doesn’t (Vasco Duarte)
- Patterns for Successful Distributed Development (Mads Troels Hansen)
- Scrum or Scrum overseas. Making it all work with not collocated team (Stanislav Vasilyev)
Viel Spaß beim lesen ;-)
Die Konferenz scheint einen Besuch wert zu sein. Mit lediglich 190 USD Gebühren bleibt auch noch genügend Spielraum für die Anreise ;-)
Verteiltes Team und Überstunden – Zwei heikle Themen für Scrum
Stefan Roock hat in seinem Blog zwei heikle (da umstrittene) Themen aufgegriffen. Viele Scrum-Abhängige ;-) bekommen schon bei einem der Themen graue Haare; Stefan hat zu beiden interessante Posts geschrieben.
Überstunden
Mehrarbeit wird in der Agile Community stets als etwas schlechtes angesehen. Das Team soll keine Überstunden leisten (“sustainable pace”). Manchmal wirkt dies etwas absonderlich, wenn man als Projektleiter selbst Überstunden leistet, vor dem Team kommt, nach dem Team geht und dann auch nicht das geliefert bekommt, was man eigentlich im Projekt braucht (Argumentation: “Haben keine Zeit / zu wenig Leute / …”). Dies führt zu noch mehr Überstunden, da Diskussionen mit Kunden anstehen oder Notlösungen erdacht/geplant/umgesetzt werden müssen. Natürlich ist dies letztendlich eine Frage der Priorisierung, d.h. vom Top-Management. Es bleibt aber der fahle Beigeschmack, dass manche sehr engagiert arbeiten, anderer – anscheinend – im Modus “Dienst nach Vorschrift” verweilen.
Stefan beschreibt in seinem Blog ein Projekt, in dem das Team Überstunden geleistet hat, um die sehr enge Zeitplanung zu halten. Wichtig dabei: Das Team für sich selbst die Entscheidung getroffen, bewusst und sehr früh Überstunden zu leisten.
Weg von einem “covering my ass” zu einem “winning team” eben.
Hierzu muss das Team natürlich entsprechend motiviert sein (gewinnen muss sich lohnen). Das Engagement muss ausreichend belohnt werden. Wahrscheinlich der entscheidende Knackpunkt bei den meisten Teams bzw. beim Management.
Weitere Links zu dem Thema:
- http://www.infoq.com/news/2008/05/sustainable-pace
- http://xprogramming.com/xpmag/whatisxp#sustainable
Verteiltes Team
In einem anderen Artikel beschreibt er ein stark verteiltes Team und wie dieses erfolgreich Scrum Sprints durchführen konnte. Sehr lesenswert: 13 Leute, 5 Firmen, 3 Standorte. Unmöglich! Oder?
Verteilte agile Entwicklung ist sicherlich eines der wichtigsten Themen in nächster Zeit, da letztendlich jedes größere Projekt auch immer mit einem verteilten Team arbeiten wird.
“All large scale development is distributed development”
… wenn ich mich nicht irre aus “Scaling Software Agility” von Dean Leffingwell – ein sehr empfehlenswertes Buch!

