Sourcing: Ergebnisse einer Umfrage bei GULP

In der IT-Industrie spielen Nearshore-Outsourcing und Offshore-Outsourcing eine zunehmend wichtige Rolle, da durch die günstigeren Gehaltsstrukturen der Lieferantenländer oft das Potential (!!!) für Kostensenkungen gegeben ist.

Es handelt sich jedoch nicht um eine automatische Reduktion der Gesamtkosten, wenn die Lohnkosten bei einem Lieferanten beispielsweise 50% niedriger ausfallen als die internen Kosten und eine Fokussierung auf den Kostenaspekt greift in den meisten Fällen auch zu kurz. Trotzdem ist Nearshoring und Offshoring ein heißes Thema und viele Unternehmen wollen ihre Aktivitäten in diesem Bereich weiter intensivieren.

Mit diesem Themenkomplex hat sich auch eine Umfrage bei GULP beschäftigt, deren Ergebnisse jetzt verfügbar sind.

Einerseits lässt sich eine gewisse Ernüchterung erkennen, so spricht ein SAP-Experte davon, dass aktuell 120 IT-Experten in Bratsilava für Aufgaben eingesetzt werden, die auch 30-40 gut ausgebildete IT-Experte vor Ort erledigen könnten. In solchen Szenarien relativiert sich der Lohnkostenvorteil natürlich sehr schnell und es bleibt eine größere Komplexität – dies es natürlich zu managen gilt.

Andererseits ist Nearshoring/Offshoring Realität und tägliches Geschäft in vielen Unternehmen, so sind 59% der Befragten der Meinung, dass sich der Trend zum Off- und Nearshoring durchgesetzt hat. Bei 56% wird Nearshoring/Offshoring aktiv eingesetzt und 82% stimmen zu, dass der Kostendruck dazu führt, dass dieser Ansatz vermehrt eingesetzt werden wird. Es sind jedoch 62% der Meinung, dass ein Nearshoing-Anbieter nicht das gleiche Leistungsspektrum abdecken kann wie ein lokaler Anbieter, die oft viel Know-how in Bereichen aufbauen, die unternehmens- oder anwendungsspezifisch sind. Anbieter von Nearshoring und Offshoring konzentrieren sich hauptsächlich auf Know-how im Bereich Technologie und Standardthemen.

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Aus meiner Sicht wird es spannend, wenn es gelingt Nearshoring-Kapazität im Rahmen von agilen Prozessen zu nutzen und mit den existierenden Strukturen zu verbinden.

Finanzkrise erreicht Bangalore

Die Auswirkungen der globalen Finanzkrise erreicht Bangalore, die Party scheint vorbei zu sein – zumindest kommt es zur ersten Katerstimmung:

The dreaded pink slips have arrived in Bangalore.

Quelle

Einerseits bauen erste Outsourcing-Unternehmen Stellen ab, andererseits ist die Zeit der jährlichen zweistelligen Gehaltssteigerungen vorbei. Ernüchterung bei vielen indischen IT-Experten macht sich breit. Viele der “IT-Experten” würden lieber etwas anderes tun und fühlen sich jetzt getäuscht.

Die indischen Unternehmen verfolgen eine klare Strategie, um die Durststrecke zu überwinden ;-)

To survive the slowdown, outsourcing companies will have to learn to be thrifty. The successful ones have already been doing this. At Wipro, legend has it that chairman Azim Premji would ask that toilet paper be rationed, and insist employees switch off lights and air conditioners when leaving a room.

In fact, Premji, one of India’s richest men by virtue of his share in Wipro, apparently practices frugality to the extent that he orders ‘by-two’ samosas in the office café. ‘By-two’ is a famous local habit, quickly adopted by newcomers, of splitting one order of anything (coffee to soup) between two people to save on costs.

Quelle

Die Frage, die ich mir hierzu stelle: Können Kleinunternehmen in Deutschland davon profitieren?

Natürlich wird der Wettbewerb schärfer, da die indischen Unternehmen versuchen werden weitere Marktsegmente zu besetzen – andererseits sollte auch die Verfügbarkeit von indischen Experten wieder steigen. Die schwierigeren wirtschaftlichen Verhältnisse werden möglicherweise auch für mehr Stabilität bei Outsourcing-Projekten sorgen: Die Fluktuation in der Belegschaft geht zurück!

Gerade für Kleinunternehmen bieten zudem Outtasking-Portale wie eLance oder RentACoder interessante Möglichkeiten, um bestimmte Aufgaben durch Freelancer erledigen zu lassen. Ich vermute, dass in Zukunft der eine oder andere zusätzliche indische Experte dort neben seinem Hauptjob Projekte bearbeiten wird …